Bin endlich mal wieder dazu gekommen, die Gruppendiskussion zur Portfolio-Methode zu verfolgen. Es macht Spaß, die Beiträge der anderen MMFler zu lesen, weil sie mir den Lehreralltag in verschiedenen Ländern näher bringen: Schüler, die vor allem auswändig lernen müssen, um in Tests die vorher diktierten Texte ihrer Lehrer möglichst gut wiedergeben zu können, Lehrer, die wenig durchdachte und oft viel zu umfangreiche Programme umsetzen müssen und immer das Gefühl haben, es nicht zu schaffen, die mit Organisation und Gestaltung von Unterricht allein gelassen werden und oftmals für eigenwillige und kreative Ideen noch durch eine schlechte Bewertung bestraft werden. Und da kommt er dann wieder, der Gedanke, der mich begleitet, seit ich 1999 begonnen habe, als Fortbilderin zu arbeiten: wie froh ich sein kann , dass ich in meiner Lehrerinnen-Zeit kreativ, oft auch experimentell, und selbständig arbeiten konnte; ohne unter Druck zu stehen, ein Programm umsetzen zu müssen, hinter dem ich nicht stehen konnte; und dass ich die Möglichkeit hatte, an Fortbildungen teilzunehmen, die diesen Namen auch verdienen! Und wie gerne ich dazu beitragen würde, den Kolleginnen in Algerien Mut zu machen, neue Wege zu gehen und die alten einengenden Lehrmethoden hinter sich zu lassen. Ich hoffe also, dass der MMF denen, die mitmachen, Schwung gibt, etwas zu verändern. Die internationale Gruppe und die Möglichkeit, sich die Arbeit auf der Plattform frei einzuteilen, dazu das faszinierende Medium PC - gute Voraussetzungen, mit Veränderungen zu beginnen! Da mein Berufsalltag eigentlich nur aus verwalten und organisieren besteht, empfinde ich diese Diskussion als erholsam und anregend! Und freue mich darüber…..
Ullaalgier’s Weblog
Blog zum Multimediaführerschein2 Kommentare »
Liebe Ulla,
herzlichen Dank für Deine aufrichtigen Gedanken! Diese Frische, die Möglichkeit kreativ zu sein, der Flug der Gedanken – das alles ist eine Erklärung auch für mich, warum ich so gern als Tutorin im MMF mitmache. Das ist jedesmal eine erfrischende Quelle von neuen Ideen und Anregungen und nicht nur für den Unterricht, sondern auch für mich als Persönlichkeit. Vor zwei Jahren habe ich eine große Tragödie in meinem Familienleben erlebt, ein Schicksalsschlag, der mein Leben auf einmal in zwei Hälften teilte… Und der MMF, der meine schweren Tage mit Inhalt füllte, half mir zu überleben…
Ich muss gestehen, dass ich im MMF viel mehr Energie tanken kann, als bei meinen eigenen Kolleginnen an der Uni. Auch wenn sie nicht verwalten und nicht organisieren, sondern die Studenten unterrichten, sind sie zu sehr mit ihren alltäglichen Problemen beschäftigt und wenig an ihre Weiterbildung denken. Dafür habe ich sicher Verständnis und eine Erklärung. Du warst ja in Russland und weisst vielleicht, dass die Lehrer bei uns leider total unterbezahlt sind, was sie dazu bewegt, ihren Unterricht einfach nur so durchzuziehen. Viele Lehrerinnen (wenn sie nicht mit gut verdienenden Männern verheiratet sind) sind gezwungen, nach Nebenjobs zu suchen, da das Gehalt an der Schule oder an der Uni für eine normale Existenz kaum ausreicht. Da bleibt leider wenig Zeit für die eigene Fort- und Weiterbildung übrig und wenig Lust… Daher bewundere ich KollegInnen aus meinem Land, die zum Beispiel an diesem Kurs teilnehmen und sich hier so einsetzen. Das halte ich nicht für selbstverständlich, sondern bin begeistert , dass die KollegInnen unter solchen schweren Arbeitsbedingungen noch daran denken, wie sie ihren Unterricht abwechslungsreicher und wirksamer machen können.
Ich weiss, dass auch in anderen Ländern die Lage der Lehrer ähnlich ist. Von Lernerautonomie kann unter solchen Bedingungen kaum die Rede sein…
Weiterhin nachdenklich
Irina.
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Liebe Ulla,
ich habe dein Lernertagebuch zum Portfolio gelesen und kann sagen, dass ich ganz ähnlich empfinde. Es macht Spaß an den Diskussionen teilzunehmen und nach dem vielen Verwalten und bürokram ist es eine angenehme Erfrischung des Kopfes.
Lieben Gruß
Bärbel